Der Generalanzeiger sorgt mal wieder für Furore. Bereits am 03.01.2011 blickte das preisgekrönte Lokalblatt auf das Jahr zurück. Dabei blieben viele Punkte unausgesprochen. Hier gibts das volle Bild für 2011:
- Januar 2011: OB Nimptsch greift den Generalanzeiger wegen der Veröffentlichung der Jahresbilanz schon im Januar scharf an. Der Verdachtsjournalismus habe eine neue Stufe erreicht, so Nimptsch. Im Rahmen eines neuen Songs, den der Oberbürgermeister bei der Proklamation von Prinz und Bonna im Festspielhaus in der Beethovenhalle zum besten gibt, ruft er offen zum Boykott der Zeitung auf.
- Im Februar sorgt der Bonner Generalanzeiger für bundesweite Medienfurore. Im Rahmen einer Pressekonferenz stellt die Zeitung die geheimen Tagebücher von Man Ki Kim vor, die fortan im Rahmen der Serie “Millionenfalle” veröffentlich werden sollen. O-Ton GA: “Die Geschichte des WCCB muss (von uns) neu geschrieben werden.”
- März 2011: Ein Vertreter der Linksfraktion in einem Bonner Ratsgremium beschwert sich beim Presserat über die Veröffentlichung von Kims Tagebüchern durch den GA. Begründung: Der GA habe völlig die Spur verloren. In der SED LINKEN habe er immer gelernt, dass erfolgreiche Regierungsarbeit lobgepriesen und nicht attackiert gehöre. LINKEN-Fraktionschef Michael Faber gibt daraufhin rasch eine Erklärung heraus, in der er sich u.a. von der eigenen Partei, dem 1. FC Köln und der liberalen Lebensgefährtin distanziert.
- April 2011: Der grüne Fraktionschef Peter Finger sieht sich durch die Veröffentlichung der Tagebücher von Man Ki Kim vom Generalanzeiger in seiner Rolle als Chefaufklärer bedroht. Mangels andererweitiger veröffentlichungswürdiger Informationen publiziert er kurzerhand die Tagebücher seiner Fraktionssprecherkollegin Doro Paß-Weingartz. Der erhoffte mediale Ritterschlag bleibt aus. Doro Pass-Weingartz wird kurze Zeit später mit einer neuen Handtasche im Gegenwert von 250€ gesichtet.
- Mai 2011: Der Rat tritt zusammen. Zur Verabschiedung des Haushaltes kommt es entgegen der Planung nicht. Neben anderen Gründen (s. September) verhindert insbesondere eine aktuelle Stunde zu den Erkenntnissen aus Doro Pass-Weingartz Tagebüchern eine Befassung mit dem Haushalt. Nähere Informationen zur Debatte bleiben unbekannt. Während LINKE und SPD auf eine öffentliche Debatte drängen, fordern CDU und Grüne stärkeren Respekt vor der Privatsphäre und setzen eine nicht-öffentliche Sitzung durch.
- Juni 2011: Außenminister und FDP-Vorsitzender Guido Westerwelle tritt nach anhaltender Kritik zurück. Bonns FDP-Chef Hümmerich empfiehlt Westerwelle als neuen Geschäftsführer der WCCB-Betriebsgesellschaft. Der Plan scheitert am Veto der UNO.
- Juli 2011: Der Unterausschuss Konferenzzentrum fährt auf Kosten der Stadt u.a. nach Südkorea, um dem WCCB-Problem weiter auf den Grund zu gehen und weitere Investitionen der bisherigen Investoren auf dem Verhandlungsweg zu erreichen. Der Antrag der Linksfraktion, die Suche nach einem neuen Investor auch auf Nordkorea auszuweiten, scheiterte bereits im Vorfeld. Gerüchteweise sollen sich VertreterInnen des städtischen Presseamtes gleichwohl in den koreanischen Norden begeben haben, um dort Tipps für eine weniger regierungskritische Presselandschaft einzuholen.
- August 2011: Die Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter zum Heimfall für das WCCB stocken. Auch der Plan, die Fifa für die Durchführung der nächsten Hauptversammlung im WCCB zu gewinnen, scheitert. Präsident-Blatter sah den Ruf der Fifa als saubere Institution gefährdet. Der Generalanzeiger heizt vor diesem Hintergrund die öffentliche Debatte weiter an. Demnach drohen der Stadt Kosten von 900 Millionen Euro. Die Rechtsberater der Stadt widerlegen diese Zahl: Der Generalanzeiger habe wohl einfach nur die Nummer der aktuellen Ausgabe der Reihe Millionenfalle mit der Anzahl der gesunkenen Auflage seit 2008 potenziert. Die Rechtsberater erklären sich aber bereit durch eine Erhöhung der eigenen Vergütungssätze, einen Beitrag zum Erreichen des von den Medien dargestellten Kostenzieles zu leisten.
- September 2011: Dr. Klaus Gilles (Fraktionsvorsitzender der CDU) beendet am 17.09.2011 um 12.17 seine auf der Ratssitzung vom 26.05.2011 begonnene Haushaltsrede.
- Oktober 2011: Der Generalanzeiger beginnt eine Medienpartnerschaft mit dem aufstrebenden Fernsehsender ASTRO-TV. Nach der Zustimmung durch das Bundeskartellamt erklären die neuen Partner: “Wir bündeln Stärken zum beiderseitigen Vorteil. GA und ASTRO-TV verbindet der Wille, Wahrheiten auszusprechen – auch wenn es diese noch gar nicht gibt”.
- November 2011: Die Stadtverwaltung um Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch beantwortet die fortgesetzten Kritiksalven durch die örtliche Medienlandschaft mit der Herausgabe einer stadteigenen Zeitung namens Neues Deutschland Bonn. Chefredakteur wird Friedhelm Naujocks. Begründung: Er bewegt sich gehaltstechnisch mit den großen Medienmogulen auf Augenhöhe und ist gerade nicht ausgelastet.
- Im Dezember kündigt der Bonner Mäzen Asbeck an, das WCCB zu kaufen und dort ein Festspielhaus mit integriertem Löwengehege und optionalem Spielplatz für den BSC einzurichten. Der Generalanzeiger lobt die Konstellation als Glücksfall für Bonn. Der Oberbürgermeister textet für die Eröffnung ein eigenes Lied. Lena bestätigt, das Lied beim Grand Prix für Deutschland aufzuführen und so gleichzeitig Werbung für die internationale Stadt Bonn zu machen. Südkorea und Lybien kündigen “douze points” für Deutschland an. Da tut es der guten Stimmung wenig Abbruch, dass sich bereits im Dezember anbahnt, dass sich die Fertigstellung wegen einer erneuten kurzzeitigen mehrmonatigen Sperrung der Kennedybrücke als Lieferstrecke verzögert. Um den Jahreswechsel feiert die Bonner Öffentlichkeit die glückliche Wendung im Bonner Münster – der Stadtdechant war hierzu terminlich leider verhindert, übersandte aber per Twitter gesegnete Grüße!
PS: Quelle und Copyright des obigen Bildes Lisa Schwarz, www.pixelio.de